Nicht aus Ungeduld. Eher aus Gleichgültigkeit gegenüber der Zeit.
Sabine und Beate sind solche Fälle.
Offiziell erscheinen sie erst viel später in Kein Opfer im falschen Spiel.
Inoffiziell führen sie bereits jetzt Gespräche, irgendwo zwischen Bürokaffee,
Halbwissen und jener Form von Erkenntnis, die zuverlässig wie Unsinn klingt.
Chronologisch ergibt das keinen Sinn.
Was, ehrlich gesagt, noch nie ein ernsthaftes Hindernis im Flinkiversum war.
Beate legte die Stirn in Falten. Ein sicheres Anzeichen dafür, dass entweder ein tiefgründiger Gedanke oder eine vollständige kognitive Entgleisung bevorstand.
Beate:
„Sabine, ich habe gestern etwas gelesen, das war entweder extrem klug oder ein eindeutiger Angriff auf mein Nervensystem.“
Sabine:
„War es aus dem Internet?“
Beate:
„Wo sonst passieren solche Dinge freiwillig?“
Sabine:
„Was war es denn diesmal? Wieder Quantenbewusstsein?“
Beate (dramatisch):
„Emergente Konvergenz.“
Sabine:
„Das klingt wie eine sehr teure Fortbildung, die unser Chef niemals bezahlen würde.“
Beate:
„Nein, pass auf. Das bedeutet, dass Ordnung entsteht, ohne dass jemand sie plant.“
Sabine:
„Wie unser Warenlager.“
Beate (aufgeregt):
„JA! Oder wie Ameisen. Oder Stare. Oder Menschen auf Rolltreppen. Oder diese eine Schlange vor dem Thermomix-Stand im Einkaufszentrum. Niemand spricht sich ab und trotzdem stehen alle exakt falsch.“
Sabine:
„Das ist jetzt keine wissenschaftliche Definition.“
Beate:
„Doch! Es fühlt sich sehr wissenschaftlich an.“
Sabine:
„Und was genau konvergiert da?“
Beate:
„Verhalten. Muster. Systeme. Alles macht plötzlich dasselbe, ohne Chef, ohne Plan, ohne Excel-Tabelle.“
Sabine:
„Das gefällt mir. Klingt effizient.“
Beate (flüstert):
„Und jetzt kommt die Bombe.“
Sabine:
„Ich ahne nichts Gutes.“
Beate:
„Sprachliche Wahrscheinlichkeitssimulation.“
Sabine:
„Das klingt wie etwas, das kaputtgehen kann.“
Beate:
„Eine KI erzeugt Sätze, die wirken, als hätte sie Ahnung. Dabei rechnet sie nur, was wahrscheinlich sinnvoll klingt.“
Sabine:
„Moment… also wie unser Chef.“
Beate (ehrfürchtig):
„Sabine… das ist exakt die richtige Intuitionsebene.“
Sabine:
„Ich wusste, dass dieser Mann algorithmisch arbeitet.“
Beate:
„Die Maschine versteht nichts. Sie berechnet nur, welche Worte gut zusammenpassen.“
Sabine:
„Und Menschen?“
Beate (kurze Denkpause, dann Galopp):
„Vielleicht mögen wir ebenfalls Dinge, die sich gut zusammenfühlen. Wie Möbelhäuser. Oder Horoskope. Oder Motivationsposter. Oder Diäten. Oder diese Duftkerzen mit ‚Inner Peace‘.“
Sabine:
„Du meinst, Bedeutung ist manchmal nur… Passform?“
Beate:
„EXAKT! Ein angenehmes Klick-Geräusch im Gehirn!“
Sabine:
„Das ist beunruhigend.“
Beate:
„Warum?“
Sabine:
„Weil ich nur den Router neu gestartet habe und jetzt über Realität nachdenke.“