Vincent Flink beantwortet den modernen Proust-Fragebogen
Manche Fragen wollen Antworten. Andere wollen Wahrheit. Der sogenannte Proust-Fragebogen war ursprünglich ein Salonspiel des 19. Jahrhunderts. In seiner modernen Variante – bekannt aus Schauspiel-Interviews – wurde er radikal vereinfacht: Zehn kurze Fragen. Kein Kontext. Kein Schutz. Nicht, um klug zu wirken. Sondern um für einen Moment nicht spielen zu können. Was folgt, ist keine Performance. Es ist ein stilles Protokoll.
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1. Was ist dein Lieblingswort?
pendejo
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2. Was ist dein am wenigsten geliebtes Wort?
Narzisst
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3. Was macht dich kreativ, spirituell oder emotional an?
Neues
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4. Was macht dich abtörnend, abstoßend oder emotional tot?
Arroganz
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5. Was ist dein Lieblingsfluchwort?
fuck
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6. Welchen Klang oder Lärm liebst du?
die Stille
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7. Welchen Klang oder Lärm hasst du?
Flugzeuge beim Enteisen
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8. Welchen Beruf würdest du gern ausüben – außer deinem eigenen?
Leadsänger in einer Band
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9. Welchen Beruf würdest du auf keinen Fall ausüben wollen?
Verwaltungsfachangestellter
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10. Wenn der Himmel existiert – was würdest du gern hören, wenn du dort ankommst?
du bist willkommen
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Nachklang
Diese Antworten erklären nichts. Sie zeigen, wo etwas schwingt – und wo nicht. Vielleicht liegt genau darin ihr Wert. Nicht als Selbstbeschreibung, sondern als Spur. Der letzte Leser ist der erste Spiegel.
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Der Wert eines Menschen zeigt sich darin, worauf er sein Innerstes richtet.
— Mark Aurel, Selbstbetrachtungen VII, 3